Weil mich die Methode interessiert, ich aber skeptisch bin.

Du hast schon öfters etwas über Scientology gehört, aber nur im Zusammenhang mit Gehirnwäsche, Manipulation und Kontrolle? Du hast aber vielleicht trotzdem das Gefühl, dass da etwas dran sein könnte, wovon die Medien nichts berichten? Du willst mehr in Erfahrung bringen, möchtest aber nichts mit der Scientology Kirche zu tun haben?

Willkommen im Club. Das sehen wir genauso. In der öffentlichen Wahrnehmung ist Scientology gleich bedeutend mit der Scientology-Kirche. Allerdings gibt es da einen kleinen Unterschied.

Was ist Scientology überhaupt?

Das Wort Scientology setzt sich zusammen aus dem lateinischen „scio“ - ich weiss, und dem griechischen Wort „logos“ für Studieren. Scientology ist eine Lehre, die von L. Ron Hubbard entwickelt wurde. Ihre Wurzeln hat sie in unterschiedlichsten westlichen und östlichen Grundsätzen zur Erweiterung des Bewusstseins. Scientology ist eine sogenannte Erkenntnisphilosophie und zugleich eine Methode, mit der man an sich arbeiten kann. Sie hat zum Ziel, aufgeschlossenen Menschen Mittel und Wege zu zeigen, zu sich selbst zurückzufinden. Und das hilft einem, weniger Probleme im Leben zu haben. Wer mit sich selbst klar kommt, mit dem kommen auch andere klar.

Scientology-Kirche

L. Ron Hubbard trat mit dem Ziel an, Menschen zu mehr Freiheit und Selbstbestimmung zu verhelfen. Und dies war bitter nötig in einer Zeit, in der seit Generationen Menschen zu Befehlsempfängern und Rädern im Gesellschaftbetrieb erzogen worden waren. Zwei Weltkriege hatten ihre Spuren hinterlassen und auf der politischen Ebene gingen die Auseinandersetzungen in Form des Kalten Krieges und diversen Stellvertreterkriegen weiter.

1950 präsentierte Hubbard das Ergebnis seiner Forschungsarbeit, die er während mehr als zwei Jahrzehnten geleistet hatte: das Buch „Dianetik – Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit“. Seine Leistung bestand darin, ein Destillat aus den unterschiedlichsten Methoden entwickelt zu haben, die es bis dahin gegeben hatte. Sei es nun Psychoanalyse, Hypnose, buddhistische Techniken oder was auch immer hilfreich war, um den Menschen zu mehr Klarheit über sich selbst zu führen.

Seine wichtigsten Kriterien dabei: Anwendbarkeit und Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse. Mit diesem Buch stellte er der Öffentlichkeit Arbeitsweisen vor, die jedermann anwenden konnte. Um damit sich und anderen zu helfen. Kernstück war die Aufarbeitung alter Traumata, die im Unterbewusstsein und auch im Körper abgespeichert werden und zu psychosomatischen Erkrankungen führen. Er erkannte Zusammenhänge, mit denen wir heutzutage relativ selbstverständlich umgehen.

Die Konsequenz aus dem Erfolg seines Buches war die Entstehung einer Organisation, die das starke Interesse kanalisieren sollte. Leute wollten ausgebildet werden und mit den Methoden arbeiten, eine Form von Qualitätssicherung musste in Gang gebracht werden. Aus einer frei verfügbaren Technologie mit immer mehr Anhängern und Anwendern entstand eine Bewegung, die ungeheuer schnell wuchs.

Die Gründung einer Kirche

Hubbards Interesse galt der weiteren Forschung, Dianetik wurde zur Basis der Weiterentwicklung Scientology, die mehr das geistige Wesen zum Ziel hatte. Individuelle Fähigkeiten sollten von Barrieren befreit werden, eine Türe nach der anderen öffnete sich hin zu einem Weg, der „die Brücke“ genannt wird. Eine Abfolge von Schritten, um zu sich selbst zu finden.

Die Scientology-Kirche wurde gegründet – für unseren Kulturkreis schwer nachvollziehbar, in den Vereinigten Staaten aber etwas relativ normales für Gruppen, die sich einer Weltanschauung widmen. Je mehr die ganze Organisation wuchs, desto unübersichtlicher wurde sie. Auch für Hubbard, der sich mehr der weiteren Forschung verschrieben hatte.

Der Umbruch und die Übernahme der Scientology-Kirche

Der Rückzug von Hubbard aus der Organisation hinterliess ein Vakuum. Zwar wurde er als Lichtgestalt und Anführer der Bewegung propagiert, aber an seine Stelle traten immer mehr Dogmatiker, die aus der frei verfügbaren Methode ein rigides Modell formten. Daraus entstand z.B. der weltweite Anspruch, das alleinige Verfügungs- und Auslegungsrecht auf die Lehre und die Materialien zu haben. Dies löste die anfangs propagierte Freiheit des Wissens ab. Aus der anvisierten Selbstbestimmung wurde Fremdbestimmung. Sektenmechnismen schlichen sich ein.

Als immer weniger bis gar kein Kontakt mehr zu Hubbard bestand, verliessen viele hochgradig ausgebildete Praktizierende die Scientology-Kirche, viele wurden auch hinaus gemobbt. Unabhängig denkende und gut ausgebildete Menschen waren nicht mehr gefragt.

Der Mythos L. Ron Hubbard wurde weiterhin benutzt, um lästige Fragen wegzuwischen oder unverständliche Veränderungen zu rechtfertigen. Wann und wo Hubbard letztendlich starb, ist bis heute ein Fragezeichen.

Die Gründung einer Freien Zone

1984 gründete ein enger und langjähriger Mitarbeiter von Hubbard, Bill Robertson, in Frankfurt am Main die Freie Zone. Er proklamierte fern der sektenartigen Scientology-Kirche die freiheitliche Anwendung von Scientology, ohne das Dogma der Scientology-Kirche. Seine Idee war, einen geistigen Raum zu schaffen, in dem gemäss der ursprünglichen Absicht, Menschen selbstbestimmt Scientology-Wissen lernen und anwenden können. Wichtig war ihm dabei, die Machtansprüche Einzelner von vorneherein zu begrenzen. Das setzte einen Netzwerk-Struktur voraus, die auch bis heute in den Ron's Orgs praktiziert wird.

Die Ron's Org

Und hier stehen wir heute: ein Netzwerk von unabhängigen, freien Scientologen, die Ron's Org. Wir betreiben Orgs, in denen es Auditing und Training gibt. Wir arbeiten freundschaftlich zusammen, um uns weiterzubilden und die Qualität zu verbessern. Und wir freuen uns über jeden, der begreift: Scientology, das ist eben nicht dasselbe wie die Scientology-Kirche.

Wir sind seit unserer Gründung ein Teil des Netzwerks der freien Scientologen. Wir unterstützen in keinster Weise dogmatische Strukturen. Wir haben einfach die Erfahrung gemacht, dass es sich gut mit den Methoden der Dianetik und Scientology arbeiten lässt. Und wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass die Menschen durch die Arbeit mit uns in mehr Selbstautonomie finden. Und darum geht es uns. Es geht ausschliesslich um die praktische Anwendung des Wissens. Wir unterstützen die individuelle Ressourcen-Entfaltung. Bei uns gibt es keine Belehrung oder Erziehung von Unwissenden. Jeder trägt das Wissen bereits in sich, er muss es nur entdecken.

Aus dieser Haltung heraus unterstützen wir auch Menschen, die die Scientology-Kirche verlassen möchten und nach Orientierung suchen. Oder die diesen Schritt bereits gewagt haben.

Übrigens: die Ron's Orgs bilden auch Auditoren und Kursleiter aus. Denn es macht Freude, Wissen, das einen selbst weiter gebracht hat, an andere weiterzugeben.